Montag, 18. April 2016

Ni hao Peking - zwei verrückte Tage in China


Ni hao!

Ich habe lange nichts von mir hören lassen, aber die Lust am schreiben ging mir im täglichen Arbeitstrott einfach verloren. Aber nach meiner Reise ins ferne Asien ist die Schreibblockade gelöst und es kann weiter gehen!

Nachdem ich 2015 ja 'nur' innerhalb von Europas Grenzen unterwegs war, nicht ein neuer Stempel meinen Pass zierte und nicht ein neues Land freigekratzt werden konnte, musste ich endlich mal wieder raus und in die Ferne schweifen.

Das endgültige Ziel war schnell gefunden: Vietnam! Dank der Urlaubspiraten fand ich einen sehr günstigen Flug, der allerdings zunächst einen Haken hatte: zwei mal 16 Stunden Aufenthalt in Peking. Dieser war auf den zweiten Blick aber gar nicht mal so uncool - denn somit hatte ich zwei Tage Zeit Peking und die Gegend zu erkunden.

Ein Kurztrip bzw. Lay-Over in den chinesischen Großstädten ist übrigens echt easy: man hat als deutsche Staatsbürgerin 72 Stunden Visafreiheit. Dazu einfach am Pekinger Flughafen in die ganz rechte Schlange einreihen, den nächsten Boardingpass oder Intinary vorzeigen und einen Stempel abholen. Rechtzeitig zurück sein nicht vergessen!

Day One - Chinesische Mauer

Bei den Recherchen im Internet fand ich schnell heraus, dass die chinesische Mauer nur ca. 70 km vom Pekinger Flughafen entfernt liegt und super gut bei einem Lay-Over erkundet werden kann. Als Alleinreisende hatte die ganze Sache nur einen Haken: man muss sich für den Tag ein Taxi plus Fahrer besorgen, denn es fahren keine öffentlichen Verkehrsmittel nach Mutianyu. Und so ein Taxi ist doch recht teuer: laut einem Internetangebot von Wild Great Wall ca. 800 RMB, 120 Euro. Den Anbieter kann ich aber dennoch empfehlen: super schnelle, nette Antworten. Nur halt leider teuer für mich allein.

Also nahm ich das Risiko auf mich und reiste einfach mal hin, in der Hoffnung, am Flughafen ein paar nette Menschen zu treffen, mit denen man sich ein Taxi teilen kann. Und hier schlug das Glückskind-Gen dann auch wieder zu und ich traf ein paar Menschen...und was für welche!

In der Schlange vom Starbucks unterhielten sich vor mir zwei eindeutig amerikanische Mädels in ca. meinem Alter über den Trip zur Mauer. Und welche Selfies dort wohl am besten wären...Nun gut, mir ja wurscht, was die zwei da machen wollen - Hauptsache ich kann mir ein Taxi teilen. Amanda und Tina nahmen mich dann nach ein paar gewechselten Worten freudig in ihre Mitte und so fuhren wir nach einigem Geplänkel, 3 mal Outfit wechseln ihrerseits und einer dicken Schminksession gen Mutianyu.

Auf der Fahrt stellte sich dann heraus, dass die zwei Ladies Barkeeper in einer Strip-Bar sind, gerade zum Urlaub in Thailand waren, und dort die thailändischen Männer, das Essen und die Sonne sehr genossen...es war in jedem Fall recht amüsant ;)

In Mutianyu liess ich mich dann leider dazu hinreissen ein total überteuertes Ticket (100 RMB - ca. 15 Euro) Ticket für den ca. 5-minütigen Lift auf die Mauer zu kaufen und fuhr mit diesem dann halt den Berg hinauf. Die Mauer an sich ist ziemlich beeindruckend - wenn man sich vorstellt, wie alt sie ist und wie unfassbar lang durch China - Gänsehautfeeling!

Oba-Mao, hihi.
Flaggen, Mauer und Lampions. Mutianyu.
Mutianyu Mauer. Ganz weit.
Noch mehr Mauer. Leider etwas grau. 
Ich lief und lief und lief und wäre wohl noch weiter gelaufen, hätte der Fahrer nicht gewartet. Meine zwei Begleitungen entfernten sich nur unwesentlich vom Einstieg und probierten stattdessen Selfies in allen möglichen Positionen aus. Kann man auch machen, muss man aber nicht. Passt aber zu China!

Der Fahrer fuhr uns im schönsten Rushhour-Verkehr noch in die Innenstadt - wo die Mädels leider nicht mal aussteigen konnten, dafür ich schon. Und so wanderte ich noch ein bisschen durch Peking - durch Selfiesticks und wummernden China-Techno, vorbei an Mao und an kleinen, jauchzenden Mädchen mit pinken Kapuzen, riesigen Luxuskarren und großen Wohnbunkern.

Cheese! Tianmen Platz Peking.
Hello Regierung. Hello Peking. Hello!
Tristesse. Wohnbunker. Peking

Day two - Forbidden City, eine Massage und absurd riesige Leinwände

Auch auf Rückweg gen Heimat kam ich wieder in Peking vorbei und nutzte natürlich die Zeit zum erkunden.

Erster Stopp war wieder der Starbucks - wer weiß wen ich diesmal da treffen würde? Doch bis auf einen überteuerten Frappucino gabs diesmal nichts zu holen. Also allein auf in die Stadt - mit dem Airport Express geht dies echt fix und günstig - für 25 RMB (ca. 3,50 Euro) bis nach Dongzhimen fahren und dann weiter mit der Metro, welche je nach Strecke zwischen 2 und 4 RMB kostet.

An der Forbidden City waren an diesem sonnigen und warmen Sonntagnachmittag gefühlt ALLE Chinesen aus China versammelt und strömten in diesen zugegebenermaßen riesigen Komplex. Ich fühlte mich wie in einem großen Ameisenhaufen - alles wuselte, fotografierte, posierte und redete um mich herum. Die verbotene Stadt an sich hat mich jetzt nicht so sehr geflasht, ich genoss eher das Dasitzen und Beobachten der Menschen.

Selfie. Ohne das wäre ich keine gute Chinesin!
Dächer. Forbidden City.
Forbidden City mit Menschen.
Fremdenführer. Forbidden City.
Stop! Forbidden City.
Frühlingsgefühle. Forbidden City.
Selfiestick und niedliche Frisur. Forbidden City
Danach wollte ich mich eigentlich zum 798 Art Complex aufmachen, musste aber aufgrund der riesigen Entfernung aus der Stadt die Segel streichen. Mit meinen sehr unzureichenden Chinesisch-Kenntnissen war ich immerhin schon stolz auf mich, auf Anhieb den richtigen Bus zur Metrostation gefunden zu haben UND diesen, als er unter großem Geschrei einfach kaputt ging, auch richtig zu wechseln.

Nach einer netten Massage im Kerry Complex, lief ich noch ein bisschen durch das sehr moderne Viertel, schaute mir coole Hochhäuser an und entdeckte eher durch Zufall 'The Place' - mit ihrem größten LED Bildschirm der Welt. Und wie groß das Teil ist - 200 mal 30 Meter groß schwebt er in 25 Meter Höhe und wechselt von Spielfilmen zu bunten Bilder - alles unterlegt mit Musik. Verrückte Chinesen, die. Am besten an der U-Bahnstation Jintaixizhao aussteigen und hinlaufen.

Der CCTV Tower - Hochhaus des Jahres 2013. Ziemlich cool!
The Place LED No.1
The Place LED No.2
Dort gab es auch den megamäßigsten Nachtisch, den ich auf meinem Trip essen durfte: Snowball bei
Dear Deer. Frozen Joghurt in Raspeln, mit Oreos, Granola und Sirup. War. Das. Lecker!

Snowball von Dear Deer. Leckerst!
Auf dem Rückweg verpasste ich es, am richtigen Terminal am Flughafen auszusteigen - hatte aber noch mehr als 3 Stunden Zeit bis zum Flug. Dennoch wurden die Flughafen-Mitarbeiter panisch, dass ich es unmöglich mit dem aller 10 Minuten startenden Shuttle Bus schaffen würde und drangen mich dazu, doch ein Taxi für mehr als 100 RMB zu nehmen. Ich war aber stur, setzte mich in den Bus und kam natüüüürlich 15 Minuten später entspannt am richtigen Terminal an... die wollen halt doch nur Geschäfte machen. 

Dienstag, 17. November 2015

Dzien dobry, Warszawa!


Polen stand bisher nicht unbedingt auf meiner To See Liste. Aber meine Freundin Romy, mit der ich letztes Jahr auch in Iran war, ist berufsbedingt jetzt hingezogen und so beschloss ich ihr und Warschau einen Besuch abzustatten.

Die Stadt an sich wurde im 2. Weltkrieg fast komplett zerstört und später zum großen Teil sozialistisch aufgebaut. So richtig schön kann man sie also nicht nennen. Schon beim ersten Schritt aus dem Bahnhof heraus blickt man auf den riesigen Kulturpalast – ein wuchtiges, überdimensioniertes Gebäude, welches die Russen den Polen zum Geschenk machten. Noch immer ist es das höchste Gebäude Polens und wirklich nicht zu übersehen.

Kulturpalast Warschau.

Bierhalle // Warschau






Hinkommen 
Warschau lässt sich super easy und super günstig ab Berlin mit dem Zug zu erreichen: 39 Euro für 5 Stunden Zugfahrt im Polen Spezial. Inklusive Tee und Kaffee! Man sollte nur wissen, wo man hinwill, denn die Durchsagen sind sehr spärlich und dann auch nur auf Polnisch. Sonst erreicht man die Stadt natürlich auch per Flugzeug, alle gängigen Billigflieger fliegen Warschau an. Ein Stadtbus fährt innerhalb von 25 Minuten bis in die Stadt. Kostenpunkt umgerechnet etwas mehr als 2 Euro. 
Geschichte
Ein kurzer Abriss zur Geschichte der Stadt: Warschau wurde im 2. Weltkrieg als einer der ersten Kriegshandlungen von den Deutschen bombardiert und eingenommen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das traurig-berühmte Warschauer Ghetto, in welchem tausende Juden unter menschenunwürdigen Zuständen eingepfercht waren. In der ganzen Stadt gibt es heute entlang der Grenze des Ghettos immer wieder Hinweise und Gedenkschilder und am alten Umschlagplatz, an dem die Juden abtransportiert wurden, gibt es ein Denkmal.

Der polnische Untergrund war auch während des Krieges sehr aktiv und im August 1944 wurde dann versucht, die Stadt wieder in polnische Hände zu bringen. Der Aufstand war zunächst erfolgreich und die Euphorie groß. Die Deutschen jedoch schlugen ihn nach 2 Monaten äußerst blutig nieder und vernichteten aus Rache die komplette Altstadt – über 90% der Häuser wurden zerstört und unbewohnbar gemacht. Die Einwohnerzahl sank im Verlaufe des Krieges von über einer Million Einwohner auf 0. Nach dem Krieg wurde Warschau jedoch in einem immensen Tempo wieder aufgebaut und die Stadt kam schnell wieder auf die nun 2 Millionen Einwohner.

Altstadt und Neustadt– stare miesto/ nove miesto
Ein Touristen-Highlight ist die stare miesto – die Altstadt. In den 50er Jahren wurde sie fast originalgetreu im Schnelltempo und mit einer unvergleichlichen Restaurierungsleistung wieder aufgebaut, wie Canaletto sie im 18. Jahrhundert malte. Heute erlauben sich noch viele Stadtführer einen Scherz und fragen, wie alt die Stadt wohl sein mag und viele Touristen, die sich nicht damit beschäftigen fallen drauf hinein. Zeitlich ist man an einem Vormittag easy durchgelaufen und hat alles gesehen.

Hinter der ‚Altstadt‘ schließt sich die Neustadt mit seiner Hauptstraße Ul. Freta an, in der es hübsche Lädchen und Restaurants gibt. Ein weiteres touristisches Muss ist die ehemalige Prachtstraße, die Nowy Swiat, in der sich sehr gut schlendern lässt.

Nowy Swiat // Warschau
Mercedes Benz // Nowy Swiat Warschau
Nowe miesto // Warschau
Stare miesto at night // Warschau
Von Essen und Hipstern
Polen steht für mich für deftiges Essen – Knödel, Piroggi und Co. Und genau das bekam ich in Warschau auch, und das auch noch verdammt günstig. Trotz der Lage in der Altstadt gab es in der Bar Warszawa de Luxe an der Ul. Miodowa verdammt leckere Piroggi. Für umgerechnet 15 Euro sind wir mehr als satt geworden (inklusive Getränken).

Warschau ist anscheinend auch ein bisschen Hipsterstadt – so berichtete mir das meine Freundin. Im Sommer gibt’s am Weichselufer coole Parties, im Stadtteil Praga beginnt so langsam die Gentrifizierung und auch sonst scheint man die Trends in der polnischen Hauptstadt gerne aufzugreifen. DER Hipsterplatz schlechthin ist der Plac Zbawiciela (man sollte nur nie versuchen es korrekt auszusprechen, doch dazu später mehr), der Platz der Erlöser. In den Cafés drum herum tummeln sich im Sommer die coolen Jugendlichen und im Eiscafé Sucré gibt es das wohl beste Eis (Lody) Warschau. Bis vor kurzem stand hier noch die berühmte Regenbogenskulptur, welche für ein offenes Polen stand. Leider wurde diese aufgrund vorgeschobener Sicherheitsprobleme abgebaut...man munkelt, die neugewählte nationalistische Regierung hatte hier keinen geringen Anteil dran.

Generell scheint Eis sehr beliebt zu sein – das gibt es an jeder Ecke. Ein weiteres Gericht ist wohl sehr in derzeit: Granola (oder auch altdeutsch Müsli) gibt es ebenfalls in allen möglichen Formen und Größen in den In-Cafés der Stadt.

Plac Zbawiciela // Warschau


Free Walking Tours - Praga
Mittlerweile in fast jeder Stadt weltweit angeboten werden ja Free Walking Tours. Konzept ist einfach: ein Local läuft durch die Stadt und erzählt der Gruppe die Geschichten zum jeweiligen Thema. Finanziert wird das Ganze durch Trinkgeld, was am Ende der Tour gegeben wird.

Mit der netten Martina schauten wir uns den Stadtteil Praga an. Dieser wurde im Krieg nicht zerstört und erhält daher noch die ursprüngliche Architektur Warschaus. In dern 90er Jahren als höchst kriminell eingestuft wandelt er sich so langsam zum Prenzlauer Berg von Warschau. Kreative, Künstler und Co finden hier ihr Zuhause, aber auch noch viele Ärmere, die in den unrenovierten Altbauten wohnen. Besonders sehenswert sind die Innenhöfe.

Orthodoxe Kirche Praga // Warschau
Streetart // Praga, Warschau
Parken verboten. // Warschau
Grün statt Grau
Vom Kulturpalast aus besehen wirkt die Stadt grau. Sehr grau. Doch eigentlich ist Warschau sehr, sehr grün! Die komplette Stadt wird immer wieder durch Parks durchbrochen. Im Weichselufer auf Praga Seite gibt es sogar noch freilebende Elche, die hier immer mal Jogger erschrecken. Einer der bekanntesten und schönsten Parks ist wohl der Lazienki-Park (‚Bäder-Park‘). In der milden November-Sonne erstrahlten die Blätter in den buntesten Farben und überall hüpften Eichhörnchen herum. Die Prachtbauten rund um die Teiche und angelegten Seen taten dazu noch ihr Übriges um sich im besten Licht zu präsentieren.

Lazienki Park sunet // Warschau
Kultur im Schnelldurchgang
Warschau hat gefühlt trilliarden Statuen zu jedem beliebigen Thema. Warschauer Aufstand, Aufstand der Juden, Kniefall von Willy Brandt, für jeden berühmten Einwohner, und und und. Ich bin mir sicher, mit all diesen hat sich schon mal jemand beschäftigt und niedergeschrieben. Mich interessierten sie jetzt bis auf ein paar Ausnahmen aber nicht so sehr. Schön ist die Chopin Statue im Lazienki Park, an der in den Sommermonaten jeden Sonntag Klavierkonzerte gegeben werden, denen man mit Picknickdecke bewaffnet, frei zuhören kann.

Museen gibt es natürlich auch, die bekanntesten sind wohl das polnische Nationalmuseum, das jüdische Museum und das Museum des Warschauer Aufstands. Dem Letzteren habe ich auch einen Besuch abgestattet. Es handelt um den eingangs schon erwähnten Warschauer Aufstand und ist wirklich gut gemacht. Allerdings sollte man von einem Besuch unter der Woche, während der Schulausflugszeiten Abstand nehmen. Außer man steht auf herumwuselnde Kinder, die einem ständig im Weg stehen. Nach dem Besuch war ich auch äußerst betroffen, was dieser Stadt angetan wurde. Das Museum der polnischen Juden konnte ich mir dann auch nur noch oberflächlich anschauen. Die Architektur ist von außen sehr schlicht und klotzig gehalten, man gelangt durch eine Art Spalt ins Innere. Dieser Spalt symbolisiert den Weg der Juden durch das Meer. Im Inneren hingegen ist gefühlt keine Wand gerade und in Wellen gestaltet.

Szopin Statue Lazienki Park // Warschau

…und sonst so?
-    Polnisch ist unfassbar kompliziert! Bei der Aussprache bricht man sich die Zunge und man spricht fast jeden verdammten Buchstaben nicht so aus, wie er dasteht. Außerdem werden auch Namen gebeugt, was zum Beispiel bei der akutellen H&M Kampagne mit David Beckham lustig wurde: auf dem Plakat stand dann nämlich das für uns recht weibliche klingende Davida Beckhama.
-    ÖPNV ist super günstig. 20 Minuten Straßenbahn fahren kosten 3,40 Zloty, umgerechnet 80 Cent. Das Netz ist sehr gut aufgebaut und ich konnte mich nach wenigen Malen fahren ohne Probleme orientieren.
-    Bei rot bleib steh'n - bei grün darfst du geh'n.. Rote Ampeln sind in Polen wirklich rote Ampeln – es bleiben echt alle stehen. Nix mit südeuropäischer Mentalität.
-    Wer mehr über die Stadt erfahren möchte, dem lege ich das Buch ‚Viva Warszawa – Polen für Fortgeschrittene‘ von Steffen Möller sehr ans Herz. Es ist sehr, sehr witzig geschrieben und gerade nach ein paar Tagen in Warschau findet man hier so einiges wieder und die Hintergründe hinzu.

Mittwoch, 29. April 2015

Ein Roadtrip durch Zentralmarokko.


Am Tag nach der großen Fahrerei war mein Bauch wegen der fiesen Fische am Hafen von Essaouira noch nicht so ganz wiederhergestellt und statt einer langen Wanderung planten wir jetzt einen Trip nach Agdz und Zagora. Bereits beim hinausgehen gab uns dann unser Hotelbesitzer noch den Tipp, zur Oase von Fint zu fahren, da diese nicht so weit weg und sehr schön sei (und nicht im Lonely Planet, muah).

Solche Tipps nehmen wir doch immer gerne an und so ging es auf gen Oase. Zuerst auf super Straßen, danach folgten Schotterstraßen und daraufhin ein Weg, der eigentlich nur mit 4x4 Autos zu befahren ist. Der Polo hielt aber tapfer durch und als wir schon dachten, wir würden gar nicht mehr ankommen, tauchte die Oase wie aus dem Nichts auf. So cool muss sich das also früher angefühlt haben, als man nach mehreren Tagen in der Wüste die rettende Oase sah.

Idris, das 4x4 saharienne und Franzbert.
Grün.
Feeling small.
Njomm.

Auf der Straße stand dann Idris, der uns die Oase zeigen wollte. Er wirkte nett und zeigte uns Felder, Blumen und den Fluss, erzählte uns von den vier Dörfern mit ca. 1.300 Einwohnern und wie sie ihr Leben abseits der Welt gestalten. Er zeigte uns auch den schönen Blick über die riesige Oase und die Grundschule, die immerhin 120 Kinder besuchen.

Nach Tee, leckeren Hühnerspiessen und einem Trinkgeld für den alten Parkplatzwächter war der schöne Vormittag dann auch schon vorbei und wir cruisten weiter, Richtung Agdz. Die Stadt, 50 km von Ouazazate entfernt, liegt auch in einer Oase und der Weg dahin war super cool. Berge, Landschaft und Serpentinen. Tagsüber machte das Fahren auch gleich noch mehr Spaß und wir hielten immer mal an, um die Landschaft zu genießen.

Selfiiiie.
Landschaft. Schönschönschön.
Kamele I
Schon der Blick auf Agdz war dann wieder sau cool: ein paar Häuser und danach ein riesen Palmenhain, die Palmeraie. In der Stadt suchten wir dann nach der Kasbah Caid Ali und fanden sie nach einem Hinweis auch. Versteckt hinter Mauern tauchte sie auf  und eine sehr nette Französin, deren Mann (und dessen Vorfahren) die Kasbah und das Land gehören, führte uns herum und erklärte uns für 30 Dirham (ca. 3 Euro) auf Deutsch die Kasbah.

Kasbah Caid Ali.
Blick. 
Sie erzählte uns lauter interessante Sachen über die Bauweise der Häuser in Marokko, die aufgrund der riesen Temperaturschwankungen einiges aushalten müssen. So sind im Sommer hier bis zu 45 Grad, im Winter hingegen bis -5. Durch Luftdruck, intelligentes Lüften und Wohnen wird dieser Tatsache aber entgegen gewirkt so gut es geht. Das absolute i-Tüpfelchen war dann der Wahnsinns-Blick über den Palmeraie und die Berge.

Auf dem Rückweg hielten wir dann noch im Zentrum von Agdz und ein älterer Herr sprach uns an (wie immer, wenn wir nur irgendwo auftauchten). Bald kamen wir auf unsere Nationalität zu sprechen und er bat uns sein Fotobuch zu übersetzen, dass ihm sein Freund aus Deutschland geschickt hatte, Xaver. Da sagt man natürlich nicht nein und begleiteten ihn in seinen Laden. Ich übersetzte das Buch für ihn (wie viele das wohl schon getan hatten?;)) und wir tranken noch einen Tee. Als Erinnerung wollte er ein Foto im typischen Gewand und mit Turban und dem langen Umhang posierten wir in seinem Hinterzimmer. 

Überzeugende Berber. 
Mit einem Bauch, der wieder wie neu war, wachte ich am nächsten Morgen auf und konnte mich endlich ganz in das leckere Frühstück stürzen - eine Art Blätterteig triefend vor Honig, njomm. Nach diesem checkten wir aus und liefen unter grauen Wolken und leisem tröpfeln in Richtung der riesigen, imposanten Kasbah am Berghang. 

Auf der Kasbah von Haid Ben-Haddou stiefelten wir etwas herum und bewunderten die schöne Aussicht. Es war recht kühl und so blieben wir nicht länger als nötig, denn die Fahrt nach Taroudannt lang schließlich noch vor uns.

Kasbah.
Bilder.
In Taroudannt kurze Bestürzung: die Stadt war gar nicht so klein, wie an der Anzahl der wenigen Touristen-Hotels auf Tripadvisor und Booking.com gedacht. Da wir diesmal die Strecke zum Hotel nicht vorgeladen hatten, waren wir kurz etwas aufgeschmissen - denn in der Medina mit dem Auto rumsuchen war aufgrund der Größe der Stadt (über 70.000 Einwohnern) einfach unmöglich. Merke: vorher schonmal auf Wiki schauen, was das nächste Reiseziel so kann. 

Nachdem weder Passanten noch die Polizei uns den Weg zu unserem Riad zeigen konnten, schmiss ich dann doch mal das mobile Internet an (99 Cent pro MBit, roaming tut doch ganz schön weh) und lud den Weg vor. Wir fanden dann immerhin in die Nähe des Riads, standen dann jedoch statt im Riad im ultra schicken Vorgarten eines älteren Herren. Sein Butler zeigte uns dann jedoch den Weg zu unserer Unterkunft, dem Riad la Princesa, die sich als sehr klein und sehr hübsch herausstellte. 

Abends fanden wir dann auch heraus, warum die Stadt so wenige Hotels auf den üblichen Seiten hatte: es gab einfach kaum Touristen. Wir fanden das natürlich ganz angenehm, konnten wir doch so auch mal die 'echte' Seite Marokkos kennen lernen.
Markt.
Real life.
Riad. Unaufgeräumt.
Pläne sind ja immer dazu da, sie zu ändern, das war schon immer mein Reisemotto. Der Plan dieses mal war es, den Tag in Taroudant und am nächsten Tag vor der Abgabe des Autos in Marrakech noch ein bisschen Zeit am Meer zu verbringen. Da jedoch das Wetter am 2. Tag deutlich schlechter sein sollte, entschieden wir uns spontan, den Tag in Taghazout zu verbringen um noch ein bisschen Farbe zu tanken und ein paar Wellen zu surfen. 

Also setzte ich mich hinters Steuer und los gings, 100 km gen Westen. Google Maps hatte uns zwei Routen ausgespuckt, die unserer Meinung aber nicht über die sinnvollste und direkteste Straße führten. Auf dem Rückweg merkten wir dann, das Google doch immer recht hat, denn die angebotene Route war viel besser. Merke: traue Google - es hat meistens Recht. 


Surf.
<3
Deutschland?
Kamele II.
Durch Agadir ging es an vielen Kreisverkehren vorbei und bald erreichten wir den Strand vor Taghazout. Die Sonne schien, das Meer war kalt und es folgte ein purer Relaxtag ohne besondere Vorkommnisse. Da die Tide gerade dabei war, abzufließen waren die Wellen nicht so doll, doch ohne Board war das aber dann auch nicht ganz so schlimm. Mit Burger und einer kalten Cola ließen wir den Tag ausklingen.

Donnerstag, 20. November 2014

Das erste Mal in Afrika - hi Essaouira!


Better late than never - das ist wohl das Motto dieses Blog-Posts. Vor mittlerweile etwas mehr als einem halben Jahr machte ich mich auf nach Marokko....

3 Wochen nach meinem letzten Ausflug nach Frankreich im Oktober machte ich mich wieder auf den Weg - um endlich mal Afrika zu sehen. Da meine Eltern (hallo Papa!) mit uns nie Pauschalurlaube in Ägypten, Tunesien und Co. machten (Danke Papa! :) ) und ich es einfach bisher noch nicht in diese Gefilde der Welt schaffte, war die Vorfreude auf einen neuen Kontinent besonders groß.

Los ging es diesmal in Frankfurt Hahn - hässlicher Flughafen, Charme = 0. Aber was will man von einem Flughafen, von dem fast nur Ryanair abfliegt, schon erwarten (und hey - für einen Flug für 36 Euro (+15 Euro Gepäck nehme ich das gerne in Kauf!). Immerhin hat Ryanair jetzt auch die Sitzplatzzuweisung vor dem Flug eingeführt, so dass das große Drängeln auf das Einchecken ausgeblieben ist.

Gelandet in Marrakesh hieß es mal wieder anstehen bei der Passkontrolle - da schätzt man reisen in Europa dann doch sehr. Nachdem aber auch das überstanden war und ich auch meinen Rucksack wohlbehalten in die Arme schließen konnte, erblickte ich am Ausgang gleich den beim Hostel bestellten Fahrer. Normalerweise ist das ja nicht unbedingt meine Art, aber ich wollte mich nicht unbedingt im Dunkeln in den verwirrenden Gassen der Medina verlaufen. 

Und am Hotel angekommen, wurde ich gleich mit der unangenehmen Seite Marrokkos konfrontiert: über den Tisch gezogen werden. Trotz Fixpreises auf der Hostelseite forderte der Taxifahrer einen höheren Preis und da der Mann nach wiederholtem Widersprechen meinerseits immer böser wurde, beschloss ich, die Sache im Hostel zu hinterfragen.

Im sehr hübschen Equity Point Hostel klärte sich die Situation beim Einchecken dann aber sehr schnell und ich bekam mein Geld zurück. Bei Humus und frischem Brot lernte ich schnell ein paar andere Reisende kennen und so klang der Abend beim üblichen Austausch von Geschichten aus.

Der ursprüngliche Plan war eigentlich, schon am Ankunftsabend mit dem CTM-Bus nach Essaouira zu reisen um länger Zeit in und am Wasser zu haben. Durch die späte Landezeit war mir das dann aber doch recht knapp und so befand ich mich erst am nächsten Morgen um 8 Uhr an der Busstation von Supratours ein - ohne vorher ein Ticket gebucht zu haben. Jeder, den ich fragte (auch das Internet), war da ja skeptisch gewesen und ich hörte immer: 'Jaaa, da wirst du keinen Bus kriegen, da muss man mindestens 3 Tage vorher buchen, super voll, keine Chance, niemals, nein nein nein'.

Davon ließ ich mich dann aber nicht abschrecken, stellte mich an den Schalter, hatte nach 2 Minuten mein Ticket, saß nach 10 Minuten im Bus und um 11:30 Uhr war ich in Essaouira. Et voilá - wieder mal bewahrheitete sich die alte Devise: einfach machen!



Aus dem Bus raus schüttelte ich erstmal alle nervigen Menschen ab, die einem Hotels, Tragedienste und sonst was andrehen wollen und stiefelte los, gen Hostel. So dachte ich jedenfalls. In echt stellte sich die Geschichte als etwas schwieriger raus, denn so eine Medina ist auch mit Licht recht unübersichtlich. Ich verlief mich also erstmal so richtig und da ich kluger Mensch auch die Karte von Essaouira auf dem Handy nicht vorgeladen hatte, konnte mich auch der blaue GPS- Punkt nicht retten. Eine sehr nette Marokkanerin tat dies dann aber und zeigte mir den Weg zum Riad Dar Afram

Mauerliebe I
Mauerliebe II

Dieses ist sehr hübsch, hat einen super netten marokkanisch-australischen Besitzer und Blick aufs Meer, yeay. Nach einem kurzen Verschnaufen meldeten sich Hunger und Neugier und ich machte mich auf Richtung Strand. Ich war ja schließlich zum Surfen da!

Am Strand erstmal Enttäuschung: ultra kleine Wellen (selbst für mich) und ein bisschen dreckig. Dazu kam noch der bewölkte Himmel: Mäh. Nach einem kurzen Schnack mit dem Board-Verleiher kam jedoch die Hoffnung zurück: mit High Tide am Nachmittag wäre alles besser. So sprang ich dann am Nachmittag mit einem Longboard bewaffnet in die Wellen und hatte echt Spaß - klein aber powerful ist die Devise.

Mit meinen betrunkenen, englischen Zimmerkollegen verbrachte ich dann einen sehr lustigen Abend und habe gleich noch einen Restauranttipp: das Elizir. Super, super leckeres Essen und super cooles Interieur - da konnte ich auch den etwas höheren Preis (ca. 18 Euro für 3 Gänge und Wein) verkraften. Am besten vorher reservieren, da die Plätze sehr begehrt sind.
Leckerstes Essen im Elizir.
In den nächsten zwei Tagen in Essaouira stromerte ich durch die Gassen, ging surfen, ass Fisch am Hafen (merke: Hände desinfizieren und nicht nur waschen beugt Magen-Darm vor. Auauaua. ) und chillte auf der Hostel-Dachterrasse.

Meer sehen.
Fisch sehen.
Vögel sehen.
Boote sehen.
Sonnenuntergang sehen.
Menschen sehen.
Irgendwann waren aber aufgrund der nur kurzen Reisezeit aber auch die schönen Tage am Meer passé, da wir (mittlerweile war mein Kumpel Kevin, mit dem ich letztes Jahr schon in Porto war, auch angereist) ja auch noch mehr vom Land sehen wollten, als nur Essaouira. Zunächst planten wir ja eigentlich nur mit Bus herumzureisen. Das wurde aus Zeitgründen verworfen. Dann wollten wir ein Auto in Essaouira mieten und über Taghazout und Taroudant nach Ouazazate fahren. Da es aber nur windige Autovermieter gab, düsten wir mit den englischen Jungs nach Marrakesh und besorgten uns dort einen Mietwagen.

Dies war wieder mit vielen Diskussionen verbunden, so wie eigentlich jedes Geschäft in Marokko. Als wir dann endlich im Auto saßen, war es fünf und somit fast schon dunkel. 240 km lagen vor uns, Google Maps meinte, es wären ca. drei Stunden zu fahren. In Reiseführern und Internetforen schrieben alle, man solle doch bei Dunkelheit besser nicht fahren, wir waren aber mutig und so schlimm waren die Straßen bisher ja auch nicht gewesen.

Nach dem Gewusel durch die Stadt war die Straße die ersten Kilometer dann auch ganz ok, bis wir dann zu den ersten Bergen kamen. An einem der Berge überholten wir einen Lkw, der mit 20 km/h den Berg vor uns hinauf kroch. Leider war die Linie durchgezogen und noch mehr leider entdeckte dies auch die Polizei, die oberhalb der Stelle stand.

Diese zog uns dann also raus und meinte, dass das Überholen an einer durchgezogenen Linie 700 Dirham (ca. 70 Euro) kosten würde und ein Verstoß erster Güte wäre. Shit. Also Führerschein, Pass und Papiere raus gegeben und dann zum Polizeiauto. Nachdem ich vorher schon versucht hatte, den Preis zu drücken und der Polizist uneinsichtig schien, kam das Angebot, die Strafe auf 300 Dirham (ca. 30 Euro) zu drücken, recht überraschend.

Angenommen haben wir es aber natürlich! Mit einem netten Lächeln, charmantem Auftreten und etwas französisch kann man halt doch einiges erreichen. Auf dem weiteren Weg trafen wir auch noch auf zwei weitere Polizeikontrollen, die uns aber ohne anhalten durchwunken. 

Weiter ging die Fahrt durch Serpentinen und enge Kurven, hinter extrem langsamen Lastern her, welche mit 15 km/h den Berg hochzuckelten (und die wir uns kaum noch zu überholen trauten, da fast immer der Strich durchgezogen war) und blendendem Gegenverkehr. 

Statt drei Stunden haben wir am Ende fast fünf gebraucht und unsere Ankunft war dann erst um 22 Uhr. Beim Buchen des Zimmers hatte ich jedoch vorher angegeben, dass wir ca. 18 Uhr ankommen werden und war dementsprechend angespannt (sorry Kevin!), ob wir überhaupt noch ein Bett bekommen würden. Der nette Hotelbesitzer war jedoch noch wach und auch das wirklich hübsche Zimmer mit dem weichen Bett war noch für uns reserviert.